Angst vor Corona? Tipps gegen Quarantäne-Stress von Systemischer Familientherapeutin Mag. pth. Verena Zechner, MBA

Wie geht man am besten mit seiner Angst vor Corona und mit der auferlegten Quarantänesituation um? Über Wochen war das Coronavirus nur ein Thema von Vielen in den Nachrichten und betraf nur die Menschen weit von uns entfernt. Als das Virus dann in Europa ankam, beruhigte man die Menschen damit, dass jede normale Grippewelle die Menschen viel mehr treffen würde, als dieser „Coronavirus“. Kaum jemand hat zu dem Zeitpunkt damit gerechnet, was sich nur wenige Wochen später alles ändern würde. Kurze Zeit später gibt es Grenzsperren, Ausgangsbeschränkungen, Privatisolationen, Schließung von Restaurants und Geschäften, Einstellung des Flugverkehrs usw. Bilder von leer geräumten Supermarktregalen sowie Fotos von menschenleeren Straßen in Italien oder Polizisten mit Atemschutzmasken und -kleidung begegnen uns permanent in den Nachrichten. Aber auch die ständige Thematisierung in den Medien trägt dazu bei, dass die COVID-19 Erkrankung im absoluten Fokus unserer Aufmerksamkeit steht. Diese Bilder aktivieren in unserem Gehirn Vorstellungen von katastrophenhaften Entwicklungen, die wir sonst nur aus Spielfilmen, Nachrichten über Krisenregionen oder den Erfahrungen der Großeltern kennen. Die heutige Gesellschaft hat nicht gelernt, mit unkontrollierbaren Situationen umzugehen. Wir leben seit 70 Jahren in Frieden, sind medizinisch sehr gut versorgt und sozial abgesichert.

Angst beeinträchtigt eine realistische Einschätzung einer Situation, was eben auch zu Überreaktionen führen kann. Wichtig ist es die Verbindung zur Realität nicht zu verlieren. Nun stellt man sich die Frage, was Menschen am Ehesten dazu bringt, auch in der Krise Ruhe und Gelassenheit zu bewahren? Im Mittelpunkt sollte stehen, sich umfassend und sachlich über Fakten, Daten und Hinweise zum Coronavirus zu informieren, so ausführlich wie möglich. Hier kann es hilfreich sein zu hinterfragen, ob man zur Risikogruppe gehört und was man selbst tun kann, um sich zu schützen. Wichtig ist, auf Informationen von Fachläuten zu hören und sich nicht von Pseudo-Experten in den Wahnsinn treiben zu lassen. Manche Menschen verbringen viel Zeit damit, auf die neuesten Hiobs-Botschaften bzw. Nachrichten zu lauern. Umso mehr Zeit man damit verbringt, umso präsenter wird das Thema im eigenen Leben. Daher ist es wichtig, sich auch Auszeiten von diesem Thema zu nehmen und mit Familie und Freunden bewusst über andere Themen zu sprechen. Es ist wichtig Zeiten einzubauen, in denen man sich ganz bewusst von möglichen Sorgen oder Ängsten ablenkt, um sich zu beruhigen.

Der Verzicht auf unsere selbstverständliche Lebensweise macht uns zu trotzigen Kindern, denn all diese Einschränkungen und Verbote bedeuten einen Verzicht auf unsere eingeübte und selbstverständliche Lebensweise. Wir sind Gewohnheitstiere und werden nervös, wenn wir in unserem Leben Gewohnheiten ändern bzw. wir uns so drastisch einschränken müssen. Jetzt nicht in Bars gehen zu können, nicht auf Konzerte, nicht zum Fußball, nicht zu reisen, sich nicht zu umarmen, am besten jeglichen Kontakt einzuschränken.

Auch wenn diese Aufgabe sehr groß erscheint, kann dies ein Geschenk bzw. eine große Chance für die Gesellschaft sein. Nichts schweißt so stark zusammen wie ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsamer Feind, eine gemeinsame Aufgabe. Es ist eine Pause von der Welt – eine Pause für die Menschen und die Natur. Routine und Normalbetrieb im Alltagsgeschehen wurde komplett unterbrochen. Zum ersten Mal muss man nicht von Termin zu Termin hetzen. Es gibt keine beruflichen, gesellschaftlichen oder sozialen Verpflichtungen, denen man nachgehen muss.

Es ist eine Chance sich nun endlich mit der eigenen seelischen und körperlichen Gesundheit auseinanderzusetzen und auf einen gesunden Lebensstil zu achten. Man hat nun endlich Zeit auf die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu schauen und Aktivitäten in den Tag einzubauen, die zur Entspannung und Entschleunigung beitragen. Man hat nun endlich die Möglichkeit zu regelmäßigen Sporteinheiten, auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus zu achten und sich gesund zu ernähren. Man hat endlich Zeit mit den Kindern die zahlreichen Spiele zu spielen, die zu Hause herumliegen. Auch hat man endlich Zeit in Ruhe ein Buch zu lesen, die Wohnung oder das Haus zu entrümpeln und Platz für Neues zu schaffen.

Auch ist es eine Chance die Arbeitskultur zu ändern, denn bisher herrschte in Österreich für Mitarbeiter eine Anwesenheitskultur. Homeoffice wurde hierzulande nur mit fragenden Blicken oder in Ausnahmesituationen gestattet. Jetzt ist jedoch eine Ausnahmesituation. Das Coronavirus stellt die Unternehmen und die Gesundheitssysteme auf eine harte Probe. Eine Chance, dass Chefs auch langfristig umdenken und die flexible und ortsunabhängige Arbeit einführen.

Durch die äußeren Umstände werden wir letztendlich wieder auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben reduziert – auf die geliebten Menschen, die Gesundheit und die Gemeinschaft. Wir lernen in dieser Zeit wie unwichtig Konsum und Luxus ist und wie weit wir uns von uns selbst und der Natur entfernt haben. Plötzlich gibt es Solidaritätswellen und Menschen helfen sich gegenseitig und machen sich gegenseitig Mut. Es wird über Internet und Medien Hilfe organisiert und es entsteht ein neues Nachbarschaftsgefühl.

Auch wenn die häusliche Isolation Chancen bietet und sich für einige wie Urlaub anhört, darf man nicht vergessen, dass diese Einsamkeit auch für viele Menschen sehr beängstigend sein und dass eine vorübergehende Quarantäne schnell zur Belastungsprobe werden kann. Es ist eine ungewöhnliche Lebenssituation, da der Mensch noch keine geeigneten Muster dafür entwickelt hat und nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Denn Nichtstun kann die Hölle sein, wenn es nicht frei gewählt ist. Das zeigt sich meist oft schon am Ende des ersten Tages. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich neue Muster erlernen lassen. Hier ist wichtig, die Gedanken in eine positive Richtung zu lenken und eine Tagesstruktur aufrechtzuerhalten.

Anbei ein paar hilfreiche Tipps, um die Quarantäne Zeit gut zu meistern

Tipps gegen Quarantäne-Stress

Information gibt Sicherheit: Sich regelmäßig aus offiziellen Quellen über die aktuellen Fakten informieren, damit sich Gedanken nicht verselbstständigen können. Somit würde man Sicherheit in einer Situation herstellen, wo Ängste und Sorgen normal und nachvollziehbar sind.

Akzeptanz der Gefühle: Rasch wechselnde Emotionen sind normal in Krisensituationen. Von Hilflosigkeit, Angst bis zur Wut, Ärger oder Gefühlen von Sinnlosigkeit und Leere können viele Emotionen in Erscheinung treten und rasch wechseln. In solch gefühlsbestimmten Zeiten solle man keine gravierenden Entscheidungen treffen.

Ziele setzen: Das gibt einem ein Gefühl der Kontrolle zurück. Die Ziele sollen realistisch sein und den Umständen angemessen. Das kann z.B. sein ein Tagebuch schreiben, neue Fertigkeiten lernen, aufräumen, Arbeiten erledigen, die sonst immer liegen geblieben sind.

Kommunizieren: Mit Freunden und Angehörigen die Sorgen zu teilen hilft in Krisensituationen.

Soziale Kontakte pflegen: Mittels Telefon, Chats und Videotelefonie sollte man weiterhin regelmäßige soziale Kontakte pflegen. Man sollten jedoch das Thema Coronavirus nicht das ganze Gespräch bestimmen lassen.

Ablenkung: In den Gesprächen sollte man sich auch immer wieder bewusst vom vorherrschenden Coronavirus-Thema ablenken.

Humor zulassen: Humor kann ein starkes Mittel gegen Hoffnungslosigkeit sein – Lächeln und Lachen bringt oft Erleichterung.

Aktivität beibehalten: Man kann Dinge erledigen, für die man sonst nie Zeit hatte und bewusst positive Aktivitäten durchführen wie Handarbeiten, Basteln, Handwerken, sich etwas Gutes kochen und einen guten Film ansehen.

Körperlich betätigen: Sich auch körperlich zu betätigen, hilft Stress und Belastung abzubauen.

Einen Tagesrhythmus bewahren: Man soll in dieser Ausnahmesituation in einem gewohnten Ablauf bleiben und zu bestimmten Zeiten aufstehen, Aufgaben erledigen, um dann auch wieder Freizeit zu haben. Man sollte auch zu üblichen Zeiten Essen oder zu Bett gehen. Das ist vor allem für Kinder sehr wichtig.

Ressourcen aktivieren: Man soll sich Dinge suchen, die einem Mut machen, zum Beispiel Sätze überlegen, die einen selbst und die Familie beruhigen und Sicherheit geben, wie: „Wir werden die Situation gemeinsam bewältigen können!“

Die eigenen Stärken nicht aus den Augen verlieren: In Krisensituationen wird ganz automatisch das Augenmerk auf Ängste und auf das, was gerade nicht funktioniert, gelenkt. Um dabei immer wieder einen Ausgleich im psychischen Befinden herzustellen ist es notwendig, ganz bewusst das Gute, Gelingende und Stärken in den Fokus zu nehmen.

Coronavirus: Tipps gegen Quarantäne-Stress- Psychotherapeutin Mag. Verena Zechner aus Wien
​Als Psychotherapeutin bietet Mag. Verena Zechner professionelle Hilfe bei verschiedensten Themen und erarbeitet mit ihren PatientInnen gemeinsam Wege aus der Krise, damit sie wieder mit Freude ihr Leben genießen können.

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