Können Hypertonie-Patienten, die mit einem ACE-Hemmer oder einem ARB behandelt werden, schwerere Verläufe einer Coronavirus-Infektion entwickeln?

Am 11.03.2020 wurde im renommierten medizinischen Journal Lancet der Verdacht geäußert, dass Patienten, die mit speziellen Bluthochdruck-Tabletten behandelt werden, möglicherweise schwerere Verläufe einer Coronavirus-Infektion (COVID-19) entwickeln. Dies könnte durch spezielle Rezeptoren vermittelt werden, die gerade durch diese Medikamente vermehrt ausgeprägt werden.

Die meisten Hypertonie-Patienten werden eben genau mit diesen beiden Tabletten-Gruppen behandelt, da sie auch in den europäischen Leitlinien für die Hypertonie-Behandlung an erster Stelle empfohlen werden und sehr effizient sind. Dabei handelt es sich – um die häufigsten zu nennen – um Candesartan (entspricht Blopress), Valsartan (entspricht Diovan), Ramipril (entspricht Tritace), Enalapril (entspricht Lisinopril, Renitec, Enac) u.a. Bei dem oben zitierten Artikel handelt es sich allerdings um keine verblindete kontrollierte Studie, sondern lediglich um eine „Correspondence“, also eine Experten-Meinung oder – wenn man es anders nennen will – um einen Verdacht. Im Artikel wird auf eine mögliche Alternative, nämlich auf sogenannte Kalziumantagonisten als Ersatzblutdruckmedikation hingewiesen. Diese sind normalerweise bei der Hypertonie-Behandlung die zweite Wahl, also auch gut. Klassischerweise handelt es sich hier um das Präparat Amlodipin (entspricht Norvasc).

 Nachdem diese Vermutung nun über die sozialen Medien in Umlauf gekommen ist, hat dies naturgemäß zu einer großen Verunsicherung geführt. Der Präsident der europäische Hypertonie-Gesellschaft hat die vorliegenden Fakten analysiert und folgende Antwort verfasst.

Zusammenfassend verweist er auf Tierstudien, die sogar einen schützenden Effekt genau dieser kritisierten Blutdruckmedikamente (ACE-Hemmer und ARB) bei schweren Lungeninfektionen gezeigt haben. Aber auch hier stehen Studien beim Menschen aus, es handelt sich also ebenfalls um eine Expertenmeinung.

Es steht also Aussage gegen Aussage. Was heißt das nun? Soll man sicherheitshalber die Medikation umstellen oder doch belassen? Wissenschaftlich ist die Frage aufgrund fehlender Studien jedenfalls derzeit nicht zu klären. Aus meiner Sicht wäre es daher pragmatisch eine gut eingestellte Blutdruckmedikation – v.a. in dieser unübersichtlichen Situation, in der wir uns nun einmal gerade befinden – jedenfalls zu belassen, um nicht noch zusätzliche Probleme, die möglicherweise weiterer Arztbesuche und somit auch Infektionsrisiken nach sich ziehen, zu generieren. Das wichtigste momentan ist es, eine Ansteckung unbedingt zu vermeiden. Wer sich nicht ansteckt, für den hat dieses Problem keine Bedeutung. Die Gefahr sich selber ein Problem durch eine Änderung der Blutdruckmedikation zu schaffen ist nach meiner Einschätzung größer, als ein fraglicher Vorteil, der sich aus der Umstellung ergeben könnte. Aber der Fokus auf diese Fragestellung ist vorgegeben und wird von allen Seiten nun genau beobachtet. Sollte sich der Verdacht doch erhärten, wird sicher eine neue Einschätzung der europäische Hypertonie-Gesellschaft kurzfristig publiziert werden.

Priv.Doz. Dr. Stefan Pfaffenberger
Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie

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