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Fokus Frauenherz: Warum die koronare Herzkrankheit bei Frauen oft übersehen wird

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen mit rund 37 % aller Todesfälle die häufigste Todesursache. Dazu zählt insbesondere die koronare Herzkrankheit (KHK). Trotz ihrer Bedeutung wird die Erkrankung bei Frauen häufig später erkannt – nicht zuletzt, weil sie sich anders zeigt als der klassische „Lehrbuch-Infarkt“.

Andere Symptome, spätere Diagnose

Statt der typischen Brustschmerzen stehen bei Frauen häufiger unspezifische Beschwerden im Vordergrund: Atemnot, Übelkeit, Rückenschmerzen oder eine ausgeprägte Erschöpfung. Weil diese Symptome weniger eindeutig sind, wird die richtige Diagnose oft erst später gestellt – wertvolle Zeit, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen entscheidend sein kann. 

Risikofaktoren – und warum sie Frauen stärker treffen

Etwa 90 % aller Herzinfarkte lassen sich auf beeinflussbare Risikofaktoren zurückführen, wie die INTERHEART-Studie eindrucksvoll gezeigt hat. Dazu zählen unter anderem Bluthochdruck, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie eine genetische Veranlagung.

Besonders relevant ist, dass einige dieser Faktoren bei Frauen eine stärkere Wirkung entfalten: So erhöht Rauchen das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen um etwa 25–30 % stärker als bei Männern, und auch Diabetes mellitus geht bei Frauen mit einem deutlich höheren relativen Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse einher. 

Frauenspezifische Einflussgrößen

Neben den klassischen Risikofaktoren gibt es Einflussgrößen, die speziell Frauen betreffen und zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dazu gehören insbesondere Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, Schwangerschaftshypertonie oder Frühgeburten. Diese Ereignisse sind nicht nur vorübergehende Risiken während der Schwangerschaft, sondern gelten als wichtige frühe Marker für ein später erhöhtes kardiovaskuläres Risiko – es kann um das Zwei- bis Vierfache steigen.

Auch Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder systemischer Lupus erythematodes, chronischer Stress, Depressionen sowie hormonelle Einflüsse und Therapien spielen eine wesentliche Rolle.

Die Menopause verändert das Risikoprofil

Mit der Menopause verändert sich das kardiovaskuläre Risikoprofil zusätzlich. Der sinkende Östrogenspiegel führt unter anderem zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins, einer verstärkten Fettverteilung im Bauchraum, einem häufigeren Blutdruckanstieg sowie einer Abnahme der Gefäßelastizität. Diese Veränderungen begünstigen die Entstehung und das Fortschreiten der Atherosklerose. 

Vorsorge: Risikoeinschätzung ab 40

Vor diesem Hintergrund empfehlen aktuelle europäische Leitlinien eine regelmäßige kardiovaskuläre Risikoeinschätzung bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr – bei bestehenden Risikofaktoren auch früher. Eine frühzeitige Erkennung und gezielte Prävention können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken.

Gerne begleite ich Sie bei der individuellen Einschätzung Ihres Herz-Kreislauf-Risikos und bei der Entwicklung einer passenden, präventiven Strategie – in ruhiger und persönlicher Atmosphäre.

Dr. Marie-Sophie Schönbauer

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