Die Erkrankung der vielen Gesichter: was ist Multiple Sklerose (MS)?

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste neurologische Erkrankung bei jungen Menschen. MS ist eine Autoimmunerkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark) mit Erstdiagnose meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Auch Kinder und Jugendliche können schon betroffen sein. MS betrifft 2-3x häufiger Frauen als Männer. Weltweit sind etwa 2.3 Millionen Menschen betroffen, in Österreich ca. 13.000.

Die Ursachen der Multiplen Sklerose

​Die Ursache der Multiplen Sklerose ist weiterhin unklar. Man nimmt derzeit eine multifaktorielle Genese an (Genetik jedoch ohne direkte Vererbung, Umweltfaktoren z.B. virale Infektionen als Trigger und immunologische Faktoren). Sobald zufällig gewisse Faktoren zusammentreffen, kann die Erkrankung ausgelöst werden. Dies geht einher mit einem Eindringen von autoaggressiven Immunzellen (T-und B Lymphozyten) durch die nun undichte Bluthirnschranke. Diese aktivierten Immunzellen schädigen die Markscheiden (Hüllen um die Nervenzellfortsätze) im Gehirn und Rückenmark.

Krankheitsverlauf bei Multiplen Sklerose

​Diese erste Krankheitsphase ist zu 85% durch Schübe charakterisiert (RRMS). Von einem Schub spricht man, wenn es durch einen solchen autoimmunen Angriff auf körpereigene Markscheiden zu klinischen Beschwerden im Alltag kommt, die länger als 24 Stunden anhalten. Da diese Entmarkung an jedem Ort in Gehirn und/oder Rückenmark vorkommen kann, nennt man die MS auch die “Erkrankung der vielen Gesichter”. Je nach dem, wo die Schädigung auftritt, bemerkt der/die PatientIn unterschiedliche Funktionausfälle (=Beschwerden) wie z.B. Schleiersehen, Doppelbilder, Kraftverlust, Kribbelgefühle „Ameisenlaufen “, ein einengendes Gürtelgefühl, Ungeschicklichkeit, Schwindel Gleichgewichtsprobleme, Gangunsicherheit, geringere körperliche Belastbarkeit mit kürzeren Gehstrecken, Inkontinenz, Sexualfunktionsstörungen und eine ausgeprägte Müdigkeit „Fatigue “.

Wenn Sie solche Beschwerden bemerken und diese länger als 24 Stunden anhalten, ist es wichtig eine/n Neurologin/en aufzusuchen. Mittels Gesprächs, neurologischer Untersuchung (Objektivierung der Beschwerden mittels einer spezifischen Skala „EDSS“) und einer Magnetresonanztomographie (MRT) von Gehirn und Rückenmark sowie in weiterer Folge einer Lumbalpunktion, kann der Verdacht einer Multiplen Sklerose abgeklärt werden. In der MRT können sich entsprechende Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark abbilden, deren Aktivität sich auch anhand von Kontrastmittel-Anreicherung (=Zeichen für eine undichte Bluthirnschranke) erkennen läßt.

Bei Diagnosestellung einer Multiple Sklerose sollte im Schub eine intravenöse Cortisonstoßtherapie mit 1g für 5 Tage verabreicht werden und in weiterer Folge bei Erffüllung spezigfischer Kriterien (McDonald Kriterien) möglichst frühzeitig mit einer medikamentösen Dauertherapie begonnen werden.

Warum sollte möglichst früh eine Dauertherapie begonnen werden?

​Gleich zu Beginn der ersten Beschwerden befindet sich die Erkrankung in der entzündlichen Phase. Hier wirken die antientzündlichen Therapien. Ziel ist es, durch die frühe Therapie die Schädigungen im Verlauf der Jahre möglichst gering zu halten.

Denn nach einer individuell unterschiedlich langen Zeitspanne – jedoch meistens spätestens nach ca.15 Jahren – können Beschwerden zurückbleiben. Das ist das Zeichen, dass die Schädigungen fortgeschritten sind und die sogenannte progrediente Phase (SPMS) der MS-Erkrankung beginnt. In dieser progredienten Phase ist das Gehirn- abgesehen vom natürlichen Altern – zusätzlich bereits durch die langjährige chronische Entzündung in Mitleidenschaft gezogen worden. Die progrediente Phase ist weniger entzündlich und daher derzeit nur eingeschränkt therapierbar. Daher gilt entsprechend randomisierter, placebokontrollierter Studien möglichst früh nach Daignosestellung mit einer antientzündlichen Therapie zu beginnen, um gleich von Beginn an die Schädigung und den dadurch bedingten Gewebsverlust möglichst gering zu halten. All diese Medikamente haben Ihre Wirkung und Nebenwirkung (=Vor und Nachteile). Nicht für jede/n ist dasselbe Medikament geeignet. Die entsprechende Therapie wird je nach Entzündungsaktivität und individuellem Verlauf von Ihrer/m NeurologIn empfohlen und besprochen.

Es gibt für diese Medikamente in der Schwangerschaft/Stillzeit aus ethischen Gründen keine Studien.Grundsätzlich gilt daher, dass diese Therapien nicht in der Schwangerschaft oder Stillzeit eingenommen werden sollten. Ausnahme ist hier das Natalizumab. Hierfür gibt es unter strenger Risiko/Nutzenabwägung keine strenge Kontraindikation mehr während der Schwangerschaft, da sich rückblickend zeigte, dass bei überraschenden Schwangerschaften unter Natalizumab die Fehlgeburtenrate der Normalbevölkerung entsprochen hat; es sollte jedoch weiterhin nicht in der Stillzeit eingenommen werden sollte.

Durch diese Therapieoptionen ist mittlerweile ein ganz “normales” Leben mit Beruf, Familie, Sport, Reisen etc. gut möglich.

Seit 2006 gibt es nun viele neue Dauertherapie-Optionen, die je nach Indikation zur Verfügung stehen.

Neurologin Dr. Assunta Dal Bianco in Wien : Spezailistin bei der Diagnose und Behandlung von Kopfschmerzen
Unsere Fachärztin für Neurologie, Frau Dr. Assunta Dal-Bianco, ist für Diagnostik und Therapie aller neurologischen Erkrankungen zuständig. Kopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen, Nervenkompressionssyndrome, Polyneuropathien, Bewegungsstörung (z.B. Tremor, M. Parkinson), Restless Legs Syndrom (RLS), Demenzerkrankungen, Epilepsie, Vorsorge und Nachsorge bei Schlaganfall, Anfallserkrankungen, Burnout etc. sind einige der häufigen Erkrankungen, die in der Co-Ordination behandelt werden. Das klinische und wissenschaftliche Spezialgebiet von Dr. Dal-Bianco ist die Multiple Sklerose.

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